Hamburg, 27. November 2025 – Rund 1000 Vertreterinnen und Vertreter der Branche kamen in diesem Jahr zum traditionellen Grofor-Dinner – dem Festabend des Vereins der Großhändler für Öle, Fette und Ölrohstoffe e. V. – in Hamburg zusammen. Grofor-Präsident Björn Meyer zog eine gemischt, aber insgesamt positive Bilanz für das zu Ende gehende Jahr.
„Das nahezu stagnierende Wirtschaftswachstum in Deutschland von lediglich 0,2 Prozent ist kein ermutigendes Signal. Unsicherheit ist das neue Normal“, sagte Meyer. „Doch erneut haben sich unsere Unternehmen als bemerkenswert widerstandsfähig erwiesen. Die Zahlen belegen, dass die Versorgung mit pflanzlichen Ölen und Fetten in Deutschland und Europa weiterhin stabil bleibt. Das ist keine Selbstverständlichkeit, sondern das Ergebnis einer funktionierenden Wertschöpfungskette – vom Ursprung über den Handel bis hin zur Verarbeitung.“
Mit Blick auf die Politik betonte Meyer, dass die Erwartungen der Branche unverändert hoch seien – sowohl auf nationaler als auch auf europäischer Ebene. „Die anfängliche Aufbruchstimmung nach der Bundestagswahl ist leider etwas verflogen“, so Meyer. Er sehe zwar positiv, dass Bundeskanzler Merz Deutschlands Rolle im internationalen Kontext wieder stärke, mahnte jedoch: „Auch die Hausaufgaben im Inland müssen erledigt werden. Der Koalitionsvertrag war an einigen Stellen mit heißer Nadel gestrickt – das rächt sich nun.“ Auch in der EU beobachtet der Verband zunehmende Spannungen. „Das Parlament driftet auseinander, und die Kommission wirkt zuweilen weit entfernt vom Alltag der Unternehmen“, sagte Meyer. „Diese Entfremdung begünstigt Politikverdrossenheit. Es ist höchste Zeit, Vertrauen zurückzugewinnen – durch nachvollziehbare, pragmatische Entscheidungen und eine Politik, die den Ausgleich verschiedener Interessen sucht.“
Als Gegenpol zu Protektionismus und erratischer Zollpolitik nannte Meyer den internationalen Handel selbst: „Handel verbindet – Handelsabkommen sind eine wirksame Strategie gegen Abschottung. Wir begrüßen ausdrücklich die Initiative des BMLEH zur Stärkung der Agrarexporte. Wohlstand entsteht nicht durch Abgrenzung, sondern durch partnerschaftliche Zusammenarbeit.“ Ein Dauerbrenner bleibe die EU-Verordnung zur Entwaldungsfreiheit (EUDR). „Fast möchte man sagen: Jedes Jahr zum Grofor-Abend grüßt das Murmeltier – und die Umsetzung wird erneut verschoben“, so Meyer augenzwinkernd. „Doch es genügt nicht, Fristen zu verlängern. Wir brauchen inhaltliche Nachbesserungen. Die Branche steht geschlossen hinter den Zielen der EUDR, aber die Umsetzung muss praktikabel, rechtssicher und verhältnismäßig bleiben.“
Auch im Bereich Lebensmittelsicherheit begrüßte Meyer Fortschritte, warnte jedoch vor überzogener Regulierung: „Verschärfungen sind dort sinnvoll, wo Risiken oder neue wissenschaftliche Erkenntnisse dies erfordern. Aber wir dürfen nicht vergessen: Die Dosis macht das Gift. Überambitionierte Grenzwerte dürfen nicht dazu führen, dass wertvolle Lebensmittel vernichtet werden.“ Zum Abschluss blickte Meyer optimistisch in die Zukunft: „Unsere Branche hat in den vergangenen Jahren immer wieder bewiesen, dass sie anpassungs- und zukunftsfähig ist.
Diese Stärke sollten wir bewahren – mit Verlässlichkeit in der Politik, Augenmaß in der Regulierung und Mut zur Kooperation über Grenzen hinweg.“
Deutscher Verband des Großhandels mit Ölen, Fetten und Ölrohstoffen e.V. (Grofor)
Der Grofor wurde 1916 in Hamburg von 25 Unternehmern aus dem Handel mit Lebensmittelschmalz und -fetten, Tran, technischen Fetten für die Seifen- und Kerzenindustrie sowie pflanzlichen Ölen gegründet. Der Grofor vertritt bundesweit die mit Fetten, Ölen und Ölrohstoffen handelnden Agrarhandelsunternehmen. Mit ihrer Tätigkeit stehen diese Unternehmen für Fortschritt in der Branche, freien internationalen Handel und offenen Diskurs mit Drittländern.